sinn

Walden * von der Genügsamkeit

cypress-tree-849636_1920.jpg“ Die Menschen meinen, sie wüssten viel vom Leben; doch sieh, schon beginnen die Schwingen zu heben. Die Künste und die Wissenschaften und tausend andre Errungenschaften. Da ist nicht einer, der mehr versteht, als das der Wind weht “

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„Die ganze Schlichtheit und Nacktheit des menschlichen Lebens in den primitiven Zeitaltern hatte zumindest den Vorteil, das es dem Menschen möglich war, einfach in der Natur Gast zu sein. Von Speise und Schlaf erfrischt, dachte er schon an die Weiterreise. Er lebte damals sozusagen in einem Zelt, folgte den Tälern, durchquerte die Ebenen oder erklomm die Berggipfel. Aber siehe da, die Menschen sind zum Geschöpf ihrer Schöpfungen geworden. Derselbe Mensch, der frei die Früchte brach, wenn er Hunger hatte, wurde Bauer. Früher suchte er unter einem Baum Schutz, jetzt ist er Hausbesitzer. Wir lassen uns jetzt nicht mehr für eine Nacht nieder, sondern sind auf der Erde sesshaft geworden und haben den Himmel vergessen…..Die größten Werke der Kunst spiegeln den Kampf des Menschen, sich aus dieser Lage zu befreien…..“

( Ausschnitte aus dem 1. Kapitel – Genügsamkeit )

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Genügsamkeit….es genügt…..Bescheiden SEIN

Dankbarkeit

Im Zeitalter des Kapitalismus zeigen sich weitere Dimensionen der a. Entfremdung  und b. der Gier, des Haben Wollens.

Das Sprichwort „weniger ist mehr“ könnte eine ursprünglichere Form des menschlichen Empfinden sein.

Es ist mir zu einer Gewohnheit geworden, einer der wenigen, die ich gut heiße, mich täglich daran zu erinnern, wofür ich dankbar sein kann.

Ja, das ich lebe, ein Dach über dem Kopf habe, etwas zu essen und zu trinken habe.

Die Dankbarkeit reicht weiter, wenn ich mein einfaches Leben erspüre, mein Leben nah an den Wurzeln…inmitten der Natur.

Früher, als ich noch in der Stadt wohnte und die Flut an Möglichkeiten ausschöpfen wollte, hatte ich kein Bewusstsein für all das. Ich lebte mitten drin in dem Geschehen aus Viel-Mehr-und noch Mehr, aus vielen Menschen, einer geballten Energie in der Großstadt, mit Werbung an jeder Straßenecke, einem Dunstkreis aus Autos und Industrie, usw.,usw.

Heute weiß ich, das war mehr als Übersättigung. Das war zwar ein Teil meines Willens und Wollens, und doch ungesund.

In einer Wald-und Wiesenhütte in der Nähe eines Bauernhofes bin ich zufrieden geworden. Ich bin bescheiden geworden und immer öfter genügsam.

Auch ich bin im Laufe meines Lebens von Informationssucht, Einkaufssucht, schönen Dingen ansammeln und anderen Süchten wie Nikotin, Emotionen-Kompensation a la Schokolade und Kaffee konsumieren….heim-gesucht worden.

Ich beobachte wiederum Menschen, die sich besser all dem entziehen können, statt dessen mit viel Moral und Enge oder gar Zwängen überleben.

In all den entfremdeten Verhaltenskodierungen – wo ist unsere Genügsamkeit geblieben?

Die Ursprünglichkeit, die H.D. Thoreau so schön benannt hat.

Da war mal ein Leben, welches scheinbar härter zu leben war, und doch spürten wir Menschen den Einklang mit der Natur. Oft bekomme ich bei solchen Gedanken Sehnsucht oder gar Heimweh.

In diesem Moment habe ich das Gefühl, das ich Stunden über das Kapitel  Genügsamkeit schreiben könnte, sowohl mit einem kritischen als auch mit einem wissenden und gut heißenden Auge. Und doch gibt es so viel, was ich dabei nicht bedenken kann.

Und schon bin ich im nächsten Moment und frage mich, ob die Vielfalt an Gedanken und Gefühlen etwas mit Genügsamkeit zu tun hat?!

Wie oft sehne ich mich nach der Kommunikation – frei von Worten – frei von abgehobenen Gedankengängen, die in der Konsequenz zu wenig bringen.

Ich liebe die Stille, die Ruhe, das einfache Sein im alleinigen Wissen, das ich atme und somit lebendig bin.

Wie gern wüsste ich mehr über den Wind, dem himmlischen Kind.

Schon Beuys schrieb in einem wunderbaren essay über die Kunst des Lebens…..lerne Schnecken beobachten.

Ja, Langsamkeit wirkt im Gleichklang der Genügsamkeit.

Heutzutage ist der Minimalismus wieder modern geworden. Weniger besitzen, sich von Überflüssigem befreien, Strukturen schaffen und weniger Chaos erlauben.

Es wundert mich nicht, das dieses Phänomen modern geworden ist, weil wir brechend voll in uns und um uns herum geworden sind.

Ein schönes Beispiel ist Fernsehen. Wie viele Menschen verbringen ihre wertvolle Zeit vor dem TV…..das Gleiche gilt -übrigens- auch für die Bloggerin im Internet 🙂

Deswegen freue ich mich sooo sehr auf den Frühling, weil ich dann wieder vermehrt das Bedürfnis habe, raus zu gehen, im Garten zu arbeiten, in der Natur zu verweilen.

In letzter Instanz -glaube ich- hat das Bedürfnis nach Minimalismus mit etwas Genügsamen und gleichzeitig mit dem Bedürfnis nach Konzentration auf das Wesentliche zu tun.

Thoreau geht in seinen Gedanken viel tiefer, viel weiter zurück. Er erkannte die Menschheit als das, was sie mal war. Existenziell, im wahrhaftigen Sinne auf Wanderschaft durchs Leben. Unabhängig.

Auch wenn es Menschen schaffen, aus dem Koffer zu leben, auf das „letzte Hemd“ zu verzichten, Überflüssiges abzugeben oder zu entsorgen, so glaube ich, das es mehr ist, als Materielles zu minimieren. Es hilft dabei, eine freiere Sicht auf die „Dinge des Lebens“ zu bekommen. Auch ich bin da ambivalent, weil ich es von Natur aus liebe, schöne Dinge zu sammeln, mit dem Bewußtsein, das ich sie nicht brauche, auch wieder abgeben kann. Doch weiß ich auch, wie voll wir sind….aus Verpflichtungen und Moral, aus Arbeit, sozialen Kontakten und Informationen Tag ein, Tag aus, die uns zu wenig Freiraum für die Muße und das ursprüngliche Leben geben.

Und unsere Seelen spüren insgeheim, das es nicht im Sinne der Naturgesetze steht, so wie sich die Menschheit entwickelt hat.

Ein Freund von mir sagt gerne: “ Würden die Menschen nur einen Monat nicht mehr konsumieren ( ausser Brot bzw. genügsamer Nahrung), dann würde das System wirtschaftlich so nicht mehr funktionieren.

Auch reden wir uns sooo oft in Kopf und Kragen, dafür bin ich sicherlich auch ein sehr „gelungenes“ Beispiel.

Menschen bewohnen Häuser, in denen sie sich -trotz- Minimalismus verlaufen, nicht zu Hause fühlen.

Die Menschen arbeiten, um all ihre Güter und Produkte zu bewahren und weiter anzuhäufen. Die Autos werden immer größer und gleichen mittlerweile Panzern.

Die Sorgen und Ängste, die damit verbunden sind, fühlen sich immens an. Menschen, die älter werden und nicht mehr gebraucht werden, erkranken und sterben trotzdem nicht, weil das Gesundheitssystem sie am Leben erhält. Andere verdrängen in demenziellen Symptomen, um das menschliche Leben -als solches- auszuhalten.

Genügsamkeit hat auch etwas mit Ur-Vertrauen zu tun.

Genügsamkeit bedeutet auch, wieder im kindlichen Fluss zu sein, zu spielen, durch die Pfützen zu hüpfen, zu tanzen und zu singen.

Letztens hörte ich von einem weisen Mann: “ Wir brauchen das alles nicht. Alles, was wir brauchen, ist in uns. Wir müssen uns nur erinnern “

Deswegen ist es auch so wichtig, über Natur, Kräuter und Pflanzen zu lernen. In dieser Natürlichkeit wieder dem Instinkt und der Sprache der Natur zu vertrauen, statt zu viele Bücher zu studieren. ( tu ich natürlich auch 🙂 )

Oder den Tag auf einer Wiese zu verbringen, mit dem Buch in der Hand, in einer Wechselwirkung aus bewusstem Lesen und Zeit, Raum und Muße einzuräumen, um nur die Natur zu beobachten.

Selbst im zwischenmenschlichen Bereich ist -Genügsamkeit- mit viel „Stoff“ zu beleuchten.

Thoreau schreibt “ der Mensch sollte sein Haus ebenso den Bedürfnissen anpassen wie der Vogel sein Nest….“

In aller Natürlichkeit spüre ich bei der Gartenarbeit zweierlei. Mit dieser Aufgabe fühle ich mich bescheiden, nahe an der Natur, genügsam mit dem, was da ist und gleichzeitig ernte ich die große Fülle der Natur.

Allein das ist Leben wert, morgens den Spaten in die Hand zu nehmen und den Garten zu bearbeiten. Und spätestens ab Mittag das Leben zu genießen. ( und nicht die Post für Amt xyz oder Rechnung xyz zu bearbeiten).

…ob es mal eine Fortsetzung zum Thema Genügsamkeit gibt, das weiß icht nicht, und doch-vielleicht…..an dieser Stelle ist es -genug- 🙂

Thoreau schreibt im letzten Abstand zum Thema Genügsamkeit :

Sie fragten einen Weisen: „Wie ist es zu erklären, das von den vielen berühmten Bäumen, die der höchste Gott hoch und schattenspendend geschaffen hat, nur die Zypresse -azad- oder frei genannt wird, die doch keine Früchte trägt? Er antwortete: „Jeder bringt die ihm eigenen Früchte hervor und ist zur vorbestimmten Zeit frisch und blütenreich, sonst aber welk und dürr. Die Zypresse kennt diesen Wechsel nicht, sie ist immer grün. Diese Art sind die -azads- oder religiös Unabhängigen. Hänge Dein Herz nicht an Vergängliches,  denn Dijlah, der Tigris, wird noch durch Bagdad fließen, wenn das Geschlecht der Kalifen ausgestorben ist. Hast Du viel, so sei freizügig wie eine Dattel. Hast Du nichts zu geben sei ein azad wie die Zypresse….“

 

 

 

 

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